Weibliche Schaufensterpuppen wie sie uns heute in Shopping Centern, Einkaufsmeilen und Kaufhäusern begegnen, haben eine lange Tradition und spiegeln den Zeitgeist der jeweiligen Epoche wider. Sie sind seit ihrem ersten Auftauchen im Paris um 1850 einem dauernden Wandel unterzogen. Damals stellten Pariser Schneider erstmals ihre Produkte in den größeren Fenstern ihrer Ateliers zur Schau, damit vorübergehende Passanten auf diese Kreationen aufmerksam wurden und in die Werkstatt kamen. Die ersten Mannequins, die damals in der französischen Hauptstadt als Warenträger dienten, haben absolut gar nichts mit den heutigen perfekt gestylten und kühl oder lasziv lächelnden Schaufensterfiguren unserer Zeit zu tun, sondern sie sahen eher wie Schneiderpuppen aus und es handelte sich dabei meist um eine Art Puppentorso aus Weidengeflecht.

Realistische Mannequins spiegeln das Mondäne wieder

Wie vieles am Anfang des letzten Jahrhunderts wurden auch Schaufensterpuppen immer weiter perfektioniert und teilweise sogar, dem Trend der Zeit folgend mit mechanischem Innenleben versehen, so dass sie als bewegliche Schaufensterdekoration viele Besucher und Schaulustige anzogen und den Ladenbesitzern so manchen neuen Kunden bescherten. Sie waren bis weit in die dreißiger Jahre ein äußerst anziehendes Dekorationselement in den Schaufenstern der immer weiter verbreiteten Kaufhäuser in den Metropolen Europas und der Vereinigten Staaten. Besonders in den Zwanzigern, die gerade in Berlin etwas Mondänes und Ausgelassenes hatten, sah man wunderschöne weibliche Schaufensterfiguren, aber auch männliche und Kinder Schaufensterpuppen, die teilweise wie lebendige Objekte wirkten.

Realistische Schaufensterpuppen in den Fünfzigern und Sechzigern

Nachdem besonders in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts eher Mannequins mit runden Formen, die Filmdiven, wie Gina Lollobrigida oder Sophia Loren nachempfunden waren und männliche Schaufensterpuppen als muskelbepackte Beachboys dargestellt wurden, folgte in den Sixties eine Welle äußerst schlanker, man könnte sogar meinen, dürrer Modepuppen, die dem Fotomodell Twiggy sehr ähnlich sahen. Später änderte sich dies ein wenig, jedoch sind PE Schaufensterpuppen mit Model-Maßen mittlerweile Standard und so manche Frau, die nicht ganz diesem Ideal entspricht bedauert das.
Seit dem Ende der achtziger Jahre hat sich eine weitere Gattung von Schaufensterpuppen einen gewissen Platz in den Auslagen der Geschäfte erobert.
Dabei handelt es sich um so genannte abstrakte Schaufensterfiguren. Besonders beliebt sind dabei headless Schaufensterpuppen und Schaufensterpuppen faceless. Während die erste Gruppe völlig ohne Kopf dargestellt wird, handelt es sich bei den faceless-Modellen um Puppen mit Kopf, jedoch nur stilisiertem oder gar nicht modelliertem Gesicht. Diese finden aufgrund ihrer universellen Art immer mehr Freunde, können jedoch in puncto Schönheit auf keinen Fall an die realistische Schaufensterpuppe heranreichen. Aber es ist halt auch eine Etappe in der Entwicklung der Schaufensterpuppe und dank vieler interessierter Sammler findet man heute noch Dekopuppen, die die Kultur ihrer Zeit widerspiegeln und von ihren Besitzern gehegt, gepflegt und bewahrt werden, um sie als Kulturgut der jeweiligen Epoche zu erhalten.

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